Im ersten Teil dieser Blogreihe ging es um das aktive Zuhören: eine Haltung, die in angespannten Situationen deeskalierend wirkt. Wer sich wirklich gehört fühlt, ist eher bereit, sich auf die Person gegenüber einzulassen.

In Teil Zwei haben wir die Konflikttreppe nach Friedrich Glasl aufgegriffen und gezeigt, wie Konflikte schrittweise eskalieren, wenn wir nicht rechtzeitig gegensteuern – von ersten Spannungen bis hin zur völligen Verhärtung.

Doch was, wenn der Konflikt schon offen ausgebrochen ist? Wenn Gespräche sich im Kreis drehen und die Fronten festgefahren scheinen? In solchen Momenten braucht es mehr als eine offene Haltung, es braucht Struktur.

Die Methode „Lösungstreppe” nach Paul Lahninger bietet genau das: eine klare, alltagstaugliche Gesprächsstruktur, die dabei hilft, Schritt für Schritt aus dem Konflikt herauszufinden. Sie eignet sich sowohl für private als auch berufliche Kontexte und wirkt darauf hin, ein Gespräch auf Augenhöhe wieder möglich zu machen.

Zwei Treppen, zwei Richtungen

Konflikte entwickeln sich oft schleichend und eskalieren dann schneller, als uns lieb ist. Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat diesen Prozess in seinem bekannten Modell zur Konflikteskalation beschrieben. In neun Stufen zeigt es, wie Meinungsverschiedenheiten sich zunehmend verhärten, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und bearbeitet werden und das sogar bis hin zur vollständigen Eskalation und Zerstörung der Beziehung.

Ein Weg in die andere Richtung

Die neun Eskalationsstufen machen deutlich, wie schnell wir in eine Abwärtsspirale geraten können, in der Gesprächsbereitschaft, Empathie und Kompromissfähigkeit immer weiter schwinden. Gerade weil diese Dynamik oft unbemerkt beginnt, ist es umso wichtiger, frühzeitig innezuhalten, und zwar bevor wir im Notmodus agieren und reagieren, also Stressreaktionen das Ruder übernehmen.

Hier setzt Paul Lahningers Lösungstreppe an: ein Gegenmodell zur Eskalation, das uns Schritt für Schritt aus dem Konflikt herausführt.

Die Lösungstreppe: Schritt für Schritt

Die Lösungstreppe ist eine Methode zur Konfliktbearbeitung, die auf Eigenverantwortung, bewusster Kommunikation und gegenseitigem Verstehen basiert. Sie eignet sich nicht für völlig eskalierte Situationen, sondern ist ein Weg, der dann gangbar ist, wenn noch Gesprächsbereitschaft besteht oder wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, diese wiederherzustellen. Jeder Schritt erfordert Achtsamkeit und die Bereitschaft, nicht gegen den anderen zu kämpfen, sondern gemeinsam Lösungen zu suchen.

1. Innehalten und Abstand gewinnen

Bevor eine konstruktive Auseinandersetzung möglich ist, braucht es einen Moment des Innehaltens. Vielleicht ist es nötig, räumlich auf Abstand zu gehen oder zumindest innerlich. Mit dem Satz „Stopp! Ich will nicht, dass wir so miteinander reden.”, könnte hier eine Unterbrechung herbeigeführt werden. Ziel ist es, emotionsgeladene Reaktionen zu stoppen und sich bewusst zu machen, was den Konflikt ausgelöst hat.

2. Perspektivwechsel und Zuhören

Nun gilt es, die Perspektive des Gegenübers zu verstehen. Wie sieht mein Gegenüber die Situation? Was ist ihm oder ihr wichtig? Diese Haltung wird als „Erkundungsmodus“ bezeichnet, also ein aktives Nachfragen und Zuhören, das nicht bewertet, sondern verstehen will. Wer diese Haltung einnimmt, signalisiert dem Gegenüber: Ich nehme dich ernst. Hier lohnt ein Blick in den ersten Teil der Serie, in dem wir die Haltung des aktiven Zuhörens vorstellen.

3. Eigene Anliegen klar ausdrücken

Erst jetzt werden die eigenen Interessen, Bedürfnisse und Sichtweisen benannt, und zwar so, dass sie beim anderen ankommen können. Dafür braucht es eine Sprache, die nicht angreift, sondern beschreibt: „Ich erlebe das so …“, „Mir ist wichtig …“. Das Ziel ist nicht, zu überzeugen, sondern verstanden zu werden.

4. Gemeinsam Lösungen entwickeln

Mit dem gegenseitigen Verständnis als Grundlage kann gemeinsam nach Ideen für Lösungen gesucht werden. Es geht noch nicht darum, sich festzulegen, sondern darum, kreativ zu denken: Welche Optionen gibt es? Welche Interessen lassen sich wie verbinden?

5. Verhandeln, entscheiden und umsetzen

Im letzten Schritt wird es konkret: Was davon setzen wir um? Welche Lösung passt zu beiden Interessen? Oder: Was tun wir, wenn es keine Einigung gibt? Auch das gehört zu einem konstruktiven Umgang mit Konflikten, nämlich zu akzeptieren, dass nicht immer ein Konsens möglich ist.

Konflikte sind unangenehm, aber sie bieten zugleich auch die Möglichkeit, Beziehungen zu klären und weiterzuentwickeln. Die Lösungstreppe nach Paul Lahninger zeigt, dass es Wege gibt, auch in festgefahrenen Situationen wieder in Verbindung zu kommen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Das erfordert Mut, Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich wirklich auf die andere Person einzulassen.

Zum Nachdenken – eine Reflexionsübung

Wann gelingt es mir, innezuhalten, statt impulsiv zu reagieren?

Gab es in meinem Leben schon einen Konflikt, der sich im Nachhinein als hilfreich oder klärend erwiesen hat, vielleicht sogar als Wendepunkt?

 

Sie möchten über unsere Angebote mehr erfahren? Kontaktieren Sie uns sehr gerne hier. Wir freuen uns, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen!

 

Quellen:

Lahninger, P. (2018). Reise Zur Lösung: Coaching-Kompetenz in Beratung, Teamentwicklung, Führung, Lehrtätigkeit, Gesprächsführung (3. Auflage). ManagerSeminare. https://www.managerseminare.de/Trainingsmedien/Buecher/Reise-zur-Loesung,96

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Ein Bild von vier Eseln, die Weihnachtsmützen und einen Schal tragen.